Umweltpreis für die „Anwälte der Bienen“

Veröffentlicht am: 20.11.2017
Imkerverein Lohne im Rathaus ausgezeichnet

Umweltpreis 2018Ausgezeichnet! Am Samstag verlieh Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer (vorne, 3. von links) dem Imkerverein Lohne um seinen Vorsitzenden Norbert Meyer (vorne, 4. von links) den Umweltpreis. Die Festrede hielt Bienenforscherin Dorothee Lüken (rechts). Foto: Stefan Heitlage / Stadtmedienarchiv

Der Imkerverein Lohne ist der diesjährige Träger des Natur-, Umwelt- und Klimaschutzpreises der Stadt Lohne. Am Samstagvormittag nahm dessen Vorsitzender Norbert Meyer die mit 1000 Euro dotierte Auszeichnung von Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer entgegen.

Das Stadtoberhaupt würdigte in seiner Laudatio die wertvolle Arbeit, die Norbert Meyer und die 24 anderen Mitglieder des Imkereivereins seit fast 15 Jahren verrichten. „Mit Ihrem Hobby leisten Sie einen unverzichtbaren Beitrag zum Erhalt des ökologischen Gleichgewichts. Und das nicht erst, seit das Bienensterben in aller Munde ist“, lobte Gerdesmeyer.

Bis zu 20 Völker hielten die Mitglieder, hegten und pflegten die Bienen, verbrächten einen Großteil ihrer Freizeit mit dem Hobby – und teilweise sogar ihren Urlaub, um das eigenen Wissen an Schüler und Kindergartenkinder weiterzugeben. Bürgermeister Gerdesmeyer: „Ihr Lohn ist der Honig, den die Bienen produzieren. Unser aller Lohn sind blühende Wiesen und Blumen, aber auch eine reiche Ernte an Äpfeln und Erdbeeren, die dank Ihrer Tiere wachsen.“

Kaum zu glauben: 80 Prozent unserer heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind laut Bienenforschern auf das kleine Tier angewiesen – Obstbäume ebenso wie Erdbeeren, Raps oder Sonnenblumen. Doch sind die Tiere seit Jahren bedroht. Auch die hiesigen Völker leiden unter dem massenhaften Sterben.

Milben, Viren, Gifte, Überzüchtung, Monokulturen, Futterknappheit, Wetterkapriolen – Gründe für die Bedrohung der Tiere nannte Dorothee Lüken vom LAVES-Institut für Bienenkunde Celle im Rahmen ihres Festvortrages viele. „Wir wissen nicht, welcher Faktor welchen Einfluss auf das insbesondere die Wildbiene betreffende Bienensterben hat. Aber wir wissen, dass es Gravierend ist“, sagte Forscherin Lüken.

Umso wichtiger seien Vereine wie der Imkerverein Lohne. „Sie haben ein tolles Hobby. Denn durch Ihre Arbeit mit diesem kleinen Tier merken Sie, wie besonders und wie schätzenswert die Biene ist. Sie sind die Anwälte dieser Tiere, gerade auch der Wildbiene, von denen in Deutschland die Hälfte vom Aussterben bedroht ist“, fordert Dorothee Lüken alle Imker auf, ihr Wissen herauszutragen in die Welt.

Der Imkerverein Lohne leiste hier wertvolle Arbeit, fand Bürgermeister Gerdesmeyer. So lade beispielsweise der Vorsitzende Norbert Meyer zu Führungen auf seinen Bienenstand am Dobbenweg oder gehe in Kindergärten, um schon die Jüngsten für das Phänomen Biene zu begeistern. Auch beim Lohner Stadtfest sei der Verein seit Jahren mit einem eigenen Zelt und Bienenstöcken vertreten. Mit Erfolg: „Sie haben Ihre Vereinsstruktur in den vergangenen Jahren deutlich verjüngt. Lag das Durchschnittsalter vor 20 Jahren noch bei über 60, ist es heute deutlich niedriger. Allein drei Mitglieder sind Jugendliche“, war das Stadtoberhaupt beeindruckt.

Forscherin Lüken mahnte, nicht nur die Imker seien beim Schutz der Biene gefragt. „Jeder Bürger kann etwas tun. Vor allem wenn er einen Garten hat. Optimieren Sie Ihr eigenes Grün nicht, lassen Sie Schmuddelecken wie kleine Totholz- oder Laubhaufen. Schneiden Sie nicht alles Verblühtes zurück, denn viele Wildbienenarten überwintern in hohlen Gräsern. Und: Pflanzen Sie blühende Bäume, die mit ihrem Nektar und Pollen den Bienen Nahrung liefern.“

Der Natur-, Umwelt- und Klimaschutzpreis wird seit 2013 verliehen. Die Stadt Lohne möchte damit einen Anreiz schaffen, sich aktiv mit Fragen des Umweltschutzes auseinanderzusetzen und zum Erhalt von Lebensräumen beizutragen. Preisträger können Einzelpersonen oder Gruppen, Arbeitsgemeinschaften, Vereine, Verbände oder Institutionen sein. Ihr Engagement kann im gesellschaftlichen oder ökologischen Bereich liegen. Es können aber auch beispielhafte technische Projekte ausgezeichnet werden.

Bisherige Preisträger waren Ludger Frye, der Chef der Lohner Ortsgruppe des NABU, Franz Scherbring als Obmann für Naturschutz der Jägerschaft im Kreis Vechta sowie Jürgen Göttke-Krogmann, der in Kroge auf seinem Hof die alte Kulturlandschaft bewahrt. Der Preis wird alle drei Jahre verliehen.