Grünes Licht für neue Musikschule in der Innenstadt
Blick vom Kirchplatz auf die neue Musikschule im Herzen der Innenstadt.
Die neue Musikschule an der Marktstraße 3, 5 und 7 kann gebaut werden. Nach Vorstellung und Beratung der Entwurfsplanung, der Kosten und des Wirtschaftlichkeitsvergleichs haben jetzt die politischen Gremien dem Vorhaben zugestimmt. Die Stadt arbeitet die Planung nun weiter aus und bereitet den Bauantrag vor.
Die Entwurfsplanung stammt von Nordlohne Architekten und Ingenieure. Das Lohner Büro hat den Entwurf gemeinsam mit den beteiligten Fachplanern weiterentwickelt. Begleitet wurde die Planung von einem Arbeitskreis mit Vertreterinnen und Vertretern der Ratsfraktionen, der Verwaltung und der Musikschule. Dort wurden unter anderem Raumprogramm, Nutzung, Veranstaltungsbereich und Gestaltung beraten. Auch mit der katholischen Kirchengemeinde St. Gertrud als unmittelbarer Nachbarin wurde die Planung abgestimmt.
Die Musikschule erhält damit erstmals ein eigenes Gebäude, das ganz auf ihren Betrieb zugeschnitten ist. Unterricht, Üben, Proben und Veranstaltungen können künftig an einem Standort stattfinden. Rund 1.100 Schülerinnen und Schüler nutzen die Musikschule wöchentlich.
„Wir schaffen hier eine zentrale Bildungs- und Kultureinrichtung, die weit über den eigentlichen Musikunterricht hinauswirkt“, sagt Bürgermeisterin Dr. Henrike Voet. „Kultur gehört für uns mitten in die Stadt – genauso wie Handel und Gastronomie. Die Musikschule wird täglich viele Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte in die Innenstadt bringen und damit für zusätzliche Frequenz und Leben sorgen.“
Bereits zu Beginn der Planungen hatte Voet auf diesen Effekt hingewiesen. Die Musikschule werde mit ihren insgesamt rund 1.100 Schülerinnen und Schülern täglich von vielen Menschen besucht und könne damit einen spürbaren Beitrag zur Belebung des Zentrums leisten. Auch aktuelle Untersuchungen wie die jüngst veröffentlichte Deutschlandstudie der CIMA kommen zu dem Ergebnis, dass Kultur- und Bildungsangebote neben klassischem Handel und Gastronomie wichtige Besuchsanlässe für die Bürgerinnen und Bürger sind, ihre Innenstadt aufzusuchen.
Räume zum Unterrichten, Üben und Auftreten
Im Erdgeschoss ist ein Veranstaltungsraum mit rund 180 Sitzplätzen vorgesehen. Dort sollen Konzerte und andere Veranstaltungen stattfinden. Außerhalb dieser Zeiten kann der Raum auch von Schülerinnen und Schülern zum Üben genutzt werden. Hinzu kommen Räume für musikalische Früherziehung, Catering, Garderobe und Sanitäranlagen.
Für Musikschulleiter Prof. Michael Gudenkauf ist dieser Punkt besonders wichtig: „Unser Fokus liegt nicht nur auf dem Unterricht, sondern auf dem Lernen. Üben soll künftig auch in der Musikschule stattfinden können. Der Veranstaltungsraum soll deshalb nicht nur bei Konzerten genutzt werden, sondern auch im Alltag. Dort sollen Schülerinnen und Schüler zum Beispiel mit Kopfhörern üben können, ohne andere zu stören.“
In den beiden Obergeschossen entstehen Unterrichtsräume für Einzel- und Gruppenunterricht. Dazu gehören auch besonders ausgestattete Räume für Schlagzeug. Außerdem sind Wartebereiche, Lehrerzimmer, Sekretariat, Teeküche und weitere Nebenräume vorgesehen.
Im Untergeschoss werden unter anderem drei Bandproberäume, Instrumenten- und Stuhllager, Technik- und Sanitärräume sowie eine Garderobe untergebracht. Alle Geschosse sind mit einem Aufzug barrierefrei erreichbar.
So soll die Musikschule an der Marktstraße künftig aussehen.
Schallschutz spielt eine zentrale Rolle
Ein Schwerpunkt der Planung liegt auf der Akustik. Unterschiedliche Instrumente und Ensembles sollen gleichzeitig proben können, ohne sich gegenseitig zu stören. Gleichzeitig soll möglichst wenig Schall nach außen dringen.
Vorgesehen sind deshalb unter anderem massive Wände, besondere Deckenkonstruktionen sowie auf den Musikschulbetrieb abgestimmte Fenster und Türen. Bei der Planung wurden auch Erfahrungen des Instituts für Musik an der Hochschule Osnabrück berücksichtigt.
Das Gebäude wird rund 40 Meter lang und etwa 13,5 Meter hoch. Traufhöhe und Dachform orientieren sich an den Nachbargebäuden. Durch unterschiedliche Materialien und Fenster wird die lange Fassade optisch gegliedert.
Zur Marktstraße rückt das Gebäude gegenüber der bisherigen Bebauung etwas zurück. Im Veranstaltungsbereich sind große, bodentiefe Fenster geplant.
Für die Wärmeversorgung ist eine Luft-Wasser-Wärmepumpe vorgesehen. Sie kann das Gebäude sowohl beheizen als auch kühlen. Auf dem Dach ist außerdem eine Photovoltaikanlage geplant.
Neubau schneidet im Vergleich am besten ab
Vor dem Beschluss hat die Stadt mehrere Möglichkeiten untersuchen lassen. Verglichen wurden der weitere Betrieb in der Von-Galen-Schule, der Umbau und die Sanierung der Gebäude an der Marktstraße sowie ein Neubau an der Marktstraße.
Der Wirtschaftlichkeitsvergleich kommt zu dem Ergebnis, dass der Neubau an der Marktstraße die Anforderungen der Musikschule am besten erfüllt.
Ein dauerhafter Verbleib in der Von-Galen-Schule würde den zunehmenden Flächenbedarf der Grundschule verschärfen. Mit dem Ausbau der Ganztagsbetreuung werden dort zusätzliche Räume benötigt. Außerdem fehlen der Musikschule bereits heute Flächen zum Üben und für Veranstaltungen.
Auch eine Sanierung der bestehenden Gebäude an der Marktstraße wurde geprüft. Die vorhandenen Grundrisse, unterschiedlichen Gebäudehöhen und der bauliche Zustand würden umfangreiche Umbauten erfordern. Barrierefreiheit, Schallschutz und technische Ausstattung ließen sich dort nur mit erheblichem Aufwand umsetzen.
Beim Neubau können die Räume dagegen von Anfang an nach den Anforderungen der Musikschule geplant werden.
Stadt baut selbst
Zusätzlich wurde untersucht, ob ein privater Investor das Gebäude errichten und langfristig an die Stadt vermieten sollte oder ob die Stadt selbst baut.
Der Vergleich spricht für den Bau durch die Stadt. Sie behält damit Einfluss auf Planung, Qualität und spätere Nutzung. Auch finanziell schneidet diese Variante besser ab.
Nach den zugrunde gelegten Annahmen liegt die Belastung über einen Zeitraum von 30 Jahren rund 7,3 Millionen Euro unter dem untersuchten Investorenmodell. Das Gebäude bleibt zudem Eigentum der Stadt.
Blick in die neue Marktstraße von der Lindenstraße aus.
Kostenrahmen bei rund 12,1 Millionen Euro
Die aktuelle Kostenberechnung auf Grundlage der Entwurfsplanung liegt bei rund 10,45 Millionen Euro.
Zusätzlich berücksichtigt die Stadt mögliche weitere Baupreissteigerungen und eine Reserve für Projektrisiken. Daraus ergibt sich derzeit ein Kostenrahmen von rund 12,08 Millionen Euro.
Die Summe liegt über der ersten Kostenschätzung aus der Machbarkeitsstudie Anfang 2025. Damals befand sich das Projekt allerdings noch in einer deutlich früheren Planungsphase. Inzwischen sind unter anderem Akustik, Schallschutz, Gebäudetechnik und Konstruktion wesentlich genauer geplant.
Die Stadt prüft weiterhin Fördermöglichkeiten. Für den Abbruch der bestehenden Gebäude stehen bereits Mittel aus der Städtebauförderung zur Verfügung.
Baubeginn für Frühjahr 2027 vorgesehen
Bis Mitte Dezember 2026 sollen Bauantrag und statische Unterlagen fertiggestellt werden. Das Genehmigungsverfahren soll nach aktuellem Zeitplan bis Ende März 2027 abgeschlossen sein.
Die Abbrucharbeiten sind von Mitte Januar bis Ende März 2027 vorgesehen. Anfang April soll der Neubau beginnen. Die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2029 geplant.

