Lohner Stadtgeschichte

Stadtgeschichte Lohne 1955

Er galt als glückloser Herrscher, er starb früh und plötzlich. Für Lohne hat Kaiser Otto II. dennoch große Bedeutung. Denn seine Schenkungsurkunde aus dem Jahr 980 ist der erste schriftliche Nachweis der damaligen Siedlung „Laon“.

Mehr als 1000 Jahre später ist aus dem kleinen Fleckchen Erde eine Kleinstadt mit überregionaler Bedeutung geworden. Mehr als 28.000 Einwohner leben hier. Tendenz steigend. Seit 1907 hat Lohne Stadtrechte, 1982 folgte der Aufstieg zum Mittelzentrum. Damit übernimmt die Stadt eine wichtige Funktion bei der Versorgung der Menschen mit Arbeit, Bildung, Gesundheit und Nahrung.

Lohne wie das gesamte Oldenburger Münsterland galt mit seinen kargen Böden und armen Bauern lange als Sorgenkind der Niedersachsen. Heute gilt die Gegend als Boomregion. Doch wie ist aus dem einstigen Armenhaus die muntere Wirtschaftsmetropole Lohne geworden? Wer davon eine Ahnung bekommen möchte, geht am besten in die Küstermeyerstraße. Dort, ganz in der Nähe des Bahnhofs, befindet sich in einem modernen Bau aus viel Glas, Stahl und Beton das industrielle Gedächtnis der Region: das Industrie Museum Lohne.

Eine Dampfmaschine, das Symbol der Industrialisierung, verrichtet hier im Erdgeschoss ihre Arbeit. Doch sie hat mit Lohnes Aufstieg erst einmal wenig zu tun. Stattdessen müssen die Besucher hoch in den zweiten Stock. Denn hier oben residiert Martina, eine ausgestopfte Gans. Für Lohne ist sie das Symbol der Industrialisierung. Mit ihrem Fittich fing alles an. 1801 war das, als ein gewisser Gerhard Heinrich Kreymborg, ein Heuerlingssohn aus Brockdorf, damit begann, aus den Gänsekielen Schreibfedern zu fertigen. Er säuberte, sortierte, erhitzte, härtete und schnitt sie, um sie anschließend dem Markt feil zu bieten.

Die Produktion wuchs rasant und mit ihr der Export. Nach Frankreich, nach Amerika, nach Russland, gar zu den Philippinen wurde die Lohner Schreibfeder verschifft. Drei weitere Fabriken öffneten ihre Tore, in denen bis zu 80 Menschen Arbeit fanden.

1840 fertigten allein die Kreymborgschen Mitarbeiter 11 Millionen Schreibfedern. Doch Mitte des 19. Jahrhunderts war es mit dem Aufschwung vorbei: Die Stahlfeder aus England bereitete den Gänsekielen langsam den Niedergang. Für die Lohner kein Grund, den Kopf in die sandigen Äcker zu stecken. Sie sattelten um: erst auf Pinsel und Tabak, später auf Torf, Leder und Korken.

Sie sind eben erfindungsreich, die Menschen der Region – und obendrein risikobereit. Manches hat sich bis heute gehalten, anderes konnte sich nicht behaupten. Zeuge dafür ist eines der Exponate im ersten Stock des Industrie Museums: das rote Fuldamobil, ein eierförmiges, dreirädriges Auto. Es wurde von April 1955 an in Lohne gefertigt. Doch bereits im Oktober kam das Aus. Die Konkurrenz war zu groß, die Kunden fuhren lieber andere Wagen.

Durchgesetzt haben sich also andere Firmen und andere Waren. Vor allem die Kunststoff-Industrie ist hier zu nennen, aber auch die Agrartechnologie, die Ernährungsindustrie und die Baubranche.

Die gute wirtschaftliche Entwicklung hat nicht zuletzt einen Namen: Autobahn 1. Nur wenige Kilometer führt sie am Lohner Ortsschild vorbei – mit der eigenen Abfahrt „Lohne/Dinklage“. Mit ihrem Bau in den 60er Jahren kam der Aufschwung in Fahrt.

Noch heute profitiert die Stadt von einer optimalen Verkehrsanbindung. Bremen, Oldenburg, Osnabrück sind mit dem Auto in weniger als 60 Minuten zu erreichen. Und die NordWestBahn fährt im Stundentakt in diese Richtungen.

Hier gibt es weitere Informationen

Industrie Museum Lohne
Straße:
Küstermeyerstraße 20
PLZ/Ort:
49393 Lohne

Ansprechpartner: 
Ulrike Hagemeier
Telefon: 
04442 730380

Heimatverein Lohne e. V.
Straße:
Overbergstraße 14
PLZ/Ort:
49393 Lohne

Ansprechpartner: 
Benno Dräger
Telefon: 
04442 1283

Stadtmedienarchiv im Heimatverein Lohne e. V.
Straße:
Brinkstraße 27
PLZ/Ort:
49393 Lohne


Heimatverein Kroge-Ehrendorf e. V.
Straße:
Am Königsstuhl 1
PLZ/Ort:
49393 Lohne

Ansprechpartner: 
Herbert Möhlmann
Telefon: 
04442 4471